Wie «Balsam für die Seele» ist Pilgern in Thüringen

Wie «Balsam für die Seele» ist Pilgern in Thüringen

Reinhardsbrunn (dpa/th) – Offene Kirchen, Pilgerbetten und eine Pilgerkarte in der vierten Auflage: Pilgern ist in Thüringen nach wie vor beliebt.

«Das Interesse an der speziellen Form des Wanderns ist auch nach dem Lutherjahr ungebrochen», sagte Christfried Boelter vom Verein «Kirchen und Tourismus» mit Sitz in
Reinhardsbrunn.

Die
Pilgersaison hat auch in Thüringen längst begonnen. «Viele Menschen sind auf der Suche, gehen als Wanderer los und kommen als Pilger an», so Boelter. Bei den samstäglichen Pilgerangeboten des Vereins seien 30 bis 70 Menschen dabei. In Mitteldeutschland gebe es mittlerweile rund 20 Initiativen fürs Pilgern in der Heimat. «Wenn Menschen von Santiago de Compostela zurückkehren, fallen sie oft in ein Loch. Das wollen wir auffangen», erklärt der Experte.

Bekannte Pfade, die durch den Freistaat verlaufen, sind der
«Lutherweg», der Ökumenische Pilgerweg entlang des historischen Verlaufs der
Via Regia, ein Weg entlang der
Via Romea, der «Klosterpfad», der «Elisabethpfad» und der Pilgerweg «Loccum-Volkenroda».

Die Beweggründe

Wieviele jede Saison über die Wege pilgern, weiß man nicht. «Es zählt sie niemand», sagt Boelter. Die Beweggründe seien schon eher zu erfahren. Beispielsweise nach einer schweren Krankheit oder einer anderen leidvollen Lebenserfahrung ziehe es Menschen dort hin.

Einsicht in die Beweggründe der Pilger kann man zum Beispiel in der Wegekapelle Elende im Südharz bekommen. Dort schreiben Menschen regelmäßig ihre Wünsche und Träume in das Gästebuch. «Balsam für die Seele» sei die kleine «Rosenkirche». «Ein Ort der Besinnung und des Gebetes», schreibt ein anderer Gast und fügt die «Hoffnung auf Friede und Erhalt der herrlichen Natur» hinzu. Ein Worbiser bittet um Segen für sein Tun. Ein Ehepaar kam an seinem 35. Hochzeitstag dort hin. Großeltern bitten um Stärke für ihre Enkel, damit diese ihren Alltag bewältigen können. Firmlinge aus Nordhausen schreiben von einer «schönen Station zum Beten, Rasten und Krafttanken».

Wichtig seien Herbergen für die Pilger – egal, ob nur ein Schlafsack in einer Kirche oder ein Bett in einem Haus, so Boelter. Vor dem Start empfehle sich ein Blick in die Pilgerkarte. Deren mittlerweile vierte Auflage werde momentan vorbereitet. Zunehmend gibt es gemeinsame Wege für Rad- und Fußpilgerer.

Die Pfade

Am bekanntesten in Nordthüringen ist der Pilgerweg Loccum-Volkenroda, der verschiedene Klöster miteinander verbindet. Zwei- bis dreihundert «klassische» Pilger werden pro Jahr im Kloster Volkenroda gezählt. «Wir machen nicht so viel Werbung», sagt Klosterpfarrer Albrecht Schödl. Die Klostergemeinschaft konzentriere sich auf den Besucherbetrieb mit 50.000 Menschen im Jahr. Dennoch kümmere sich Schwester Johanna um jeden Pilger.

In der Hainich-Südeichsfeld-Region gibt es auch Abschnitte des Lutherweges und der «Via Romea». Zunehmend rückt der «Klosterpfad» – ein Nebenweg des Loccum-Volkenroda – ins Blickfeld. «Der Pilger kommt an ehemaligen und aktiven Klosteranlagen vorbei», erklärt der Bad Langensalzaer Stadtpfarrer Dirk Vogel. In einigen Anlagen können Pilger übernachten.

Wer geistliche Impulse an den spirituell aufgeladenen Orten sucht, werde ebenfalls fündig. Vogel selbst bietet seit diesem Jahr eine «spirituelle Pilgerwegbegleitung» an. Den Klosterpfad könne man außerdem gut mit dem Lutherweg, der Via Porta oder auch der Via Romea kombinieren.

Fotocredits: Jens Kalaene

(dpa)
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